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Diesseits und jenseits des Röstigrabens zu Hause

Conventions National People

Maude Righi lebte und arbeitete 15 Jahre im Kanton Zürich, spricht fliessend Schweizerdeutsch, kehrte für die Expo.02 zurück in ihre Heimat Neuenburg und arbeitet seit 15 Jahren selbstständig als Medientrainerin, Moderatorin, Redaktorin und Kursleiterin in Kommunikation. Ihre Kunden befinden sich fast ausschliesslich in der Deutschschweiz.

Maude Righis Kommunikationsagentur befindet sich in einem Altbau mitten im Städtchen Auvernier, am Ort ihrer Träume seit ihrer Jugendzeit in Marin, wo sie nahe dem Campingplatz La Tène, auf dem viele Deutschschweizer ihre Ferien verbringen, aufwuchs. Damals wollte sie Journalistin werden. Sie interviewte schon als Kind ihre Geschwister, die Eltern und Schulkameraden, und im Quartier, in dem sie wohnte, scharte sie jeweils ihre Mitschüler um sich und mimte die Lehrer, weil es ihr gefiel zu unterrichten.

Sie musste für ihr Schweizerdeutsch kämpfen

Journalistin wurde sie nicht. Lehrerin auch nicht. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung ging sie im Jahr 1984 als erstes für einen Sprachaufenthalt nach Deutschland. Bei ihrer Rückkehr in die Schweiz besuchte sie eine Freundin in Zürich und blieb. Sie nahm eine Stelle als Sachbearbeiterin bei Kuoni Reisen an, wurde bald Reiseberaterin in der Kuoni-Filiale im Glattzentrum in Wallisellen und schliesslich Filialleiterin von Helvetic Tours in Zürich-Oerlikon. In dieser Zeit lernte sie Schweizerdeutsch. «Ich musste dafür kämpfen. Deutschschweizer wechseln sofort in die Schriftsprache, wenn jemand mit Akzent Deutsch spricht», sagt sie. Doch sie beharrte darauf, dass man sich in Schweizerdeutsch mit ihr unterhielt. Mehr noch. Sie wollte Schweizerdeutsch nicht nur verstehen, sondern auch sprechen. Der Weg war hart. Maude Righi hatte zwar in Deutschland fliessend Deutsch gelernt, aber für Westschweizer seien Deutsch und Schweizerdeutsch zwei völlig unterschiedliche Sprachen, sagt sie.

Rückkehr für die Expo.02

Nach 15 Jahren schien ihr die Zeit reif für etwas Neues. Der Sprung in die Kommunikation kam mit einer Nachricht in der Tagesschau. Die Expo.01 werde im Drei-Seen-Land zwischen Biel, Murten, Yverdon und Neuenburg stattfinden, hiess es da. Maude Righi bewarb sich. Zunächst ohne Erfolg. Doch sie liess nicht locker, kündigte bei Kuoni und zog, ohne eine neue Arbeitsstelle zu haben, zurück nach Neuenburg. Aus der Expo.01 wurde die Expo.02. Maude bewarb sich erneut. Diesmal klappte es. Sie erhielt eine Stelle in der Kommunikationsabteilung und stieg dort in kurzer Zeit zum Public Relations Manager auf. «Bei der Expo ging immer alles schnell», sagt sie. «Tu as l’instinct», hatte ihr Chef zu ihr gesagt. Und er hatte offensichtlich recht. Maude war in der Kommunikationsbranche angekommen.

Nach der Expo arbeitete sie drei Jahre lang in einer Kommunikationsagentur in Neuenburg und machte sich dann selbstständig. In Auvernier. Wo sie nun gleich oberhalb des Bahnhofs mit herrlicher Aussicht auf den See auch wohnt. Damit war sie am Ziel. Nur: Kommunikationsagenturen gibt es viele, die Konkurrenz ist gross. Wie konnte sie sich herausheben?

Schweizerdeutsch als Vorsprung gegenüber der Konkurrenz

Sie spricht Schweizerdeutsch! «Es war am Anfang nur eine Idee», sagt sie, aber sie funktionierte. Viele Firmen und Bundesämter haben ihren Sitz in der Deutschschweiz, beschäftigen jedoch auch französischsprachige Mitarbeiter. Maude Righi bot den Firmen- und Amtschefs an, Mitarbeiterkurse, die in Deutsch abgehalten wurden, zu adaptieren und den welschen Mitarbeitern auf Französisch zu geben. Der Idee schlug ein. Die Armee, mehrere Bundesämter wie das Staatssekretariat für Migration, Deutschschweizer Firmen mit Ablegern in der Westschweiz, Versicherungen, Polizeicorps – wer immer über den Rösti-graben hinweg schulen und kommunizieren muss, nahm den Vorschlag mit Begeisterung auf. Obwohl sich ihr Firmensitz in der Westschweiz befindet, kommen fast alle ihre Kunden aus der Deutschschweiz. «Sie können mir auf Deutsch schreiben, ihre Unterlagen auf Deutsch schicken, alles kein Problem», sagt sie. Das sei für die meist deutschsprachigen Entscheidungsträger eine grosse Erleichterung. Und die welschen Mitarbeiter sind dankbar, dass sie die Kurse in ihrer Muttersprache erhalten.

Einige Überlegungen zum Röstigraben

Maude, du kennst die Romandie und die Deutschschweiz bestens. Was unterscheidet die Menschen diesseits und jenseits des Röstigrabens?

Maude Righi: Deutschschweizer sagen mir oft, wir Westschweizer seien so viel lockerer als sie. Umgekehrt empfinden viele Welsche die Deutschschweizer als ein bisschen stur und überkorrekt.

Und, stimmt das?

Ich sehe es nicht so. Ich arbeite sehr gerne mit Deutschschweizern, gerade weil sie immer ein bisschen auf Zack sind. Ich mag diese «Rigueur», da weiss ich, dass alles klappt. Und im Gegensatz zu den Romands sind in der Deutschschweiz alle rasch beim Du. Das funktioniert picobello. Ich habe immer noch viele Freunde in Zürich aus meinen ersten Berufsjahren, was nach so langer Zeit nicht selbstverständlich ist.

Und wie steht es mit der Lockerheit der Romands?

Bei den Westschweizern schwingt in vielen Situationen ein bisschen Rebellion mit. Sie finden rasch einmal «Naja, das kann man auch anders machen», vor allem, wenn etwas aus der Deutschschweiz kommt. Dieses Sich-nicht-immer- an-die-Regeln-Halten ist es wahrscheinlich, was die Deutschschweizer als Westschweizer Leichtigkeit empfinden. Doch die Westschweizer sind in vielem förmlicher. Hier zum Beispiel bin ich mit langjährigen Kunden immer noch per Sie. Auch privat bleibt der Umgang oft distanzierter. Deutschschweizer, die hier leben, erzählen mir oft, es sei nicht einfach, sich hier zu integrieren.

Der Kanton Neuenburg ist deine Heimat. Was zeichnet ihn aus?

Wir haben wunderschöne Landschaften. Der See ist prächtig. Er sieht jeden Tag anders aus. Und wir haben so überwältigende Orte wie den Creux-du-Van mit seiner unglaublichen Energie, die Hügelzüge des Juras, den Blick auf die Alpen. Es ist einfach schön hier!

Heidi Mühlemann

Maude Righi ist seit 2017 Mitglied des LC Neuchâtel-Rives-et- Vallées und Kommunikationsverantwortliche im OK der National Convention 2020 in Neuenburg. Sie ist Inhaberin der Kommunikationsagentur «MRI Communication» in Auvernier und arbeitet mindestens drei Tage pro Woche in der Deutschschweiz, kennt daher die Mentalitäten beidseits des Röstigrabens sehr gut. Neben Medientraining, Schulungen und Koordination von Projekten unterrichtet sie an der Schweizer Journalistenschule (MAZ) in Luzern.

❯ Mehr über Maude Righi unter www.mricommunication.ch