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Die Herausforderungen im Arbeitsmarkt bleiben hoch!

People

STIFTUNG ZUKUNFT – INTERVIEW MIT ACHIM JUNGCLAUS (WEINFELDEN-MITTELTHURGAU) Die Stiftung Zukunft ist ein soziales Dienstleistungsunternehmen. Daneben aber auch ein Kompetenzzentrum für berufliche Integration mit Fokus auf Praktikums-und Lehrstellensuche. Mit eigener Lernwerkstatt und Bildungsbetrieb. In diesem Unternehmen ist Lion Achim Jungclaus als Bereichsleiter tätig. Im Interview erzählt er, wie die Stiftung Zukunft die Zukunft sieht und was die grössten Herausforderungen der vergangenen Pandemiemonate waren …

Achim Jungclaus, Organisationsentwickler und Coach/Integrationsberater

Menschen und Organisationen und deren Entwicklung interessieren mich sehr. Ich kenne Facetten von mittellos bis reich, vom Hilfsarbeiter bis zum Geschäftsführer, vom gesundheitlich Beeinträchtigten bis zum Vitalen. Allen Menschen begegne ich auf Augenhöhe, habe Verständnis für deren Anliegen und arbeite ressourcenorientiert. Mein wichtigstes Werkzeug ist meine ungeteilte Präsenz. Achim ist seit neun Jahren Lions-Mitglied und im Club sowohl Mitgliedschaftsbeauftragter als auch für die Activities verantwortlich.

Tobias Jäger: Lieber Achim, 2019 und vor allem aber 2020 waren sehr schwierige Jahre. Wie hast du die Pandemiezeit erlebt?
Achim Jungclaus: Selbst durfte ich gesund bleiben, dafür bin ich sehr dankbar. Im familiären Kreis gab es in dieser Zeit den Todesfall meiner Schwiegermutter zu verarbeiten, und mein Vater erlitt einen Herz-und Hirninfarkt. Beides war nicht durch Covid-19 ausgelöst, aber es machte die Einschränkungen nochmals sichtbarer. Spitalbesuche waren nicht möglich, der Besuch meines Vaters in Deutschland konnte nur mit viel Papierkram und Testungen erreicht werden, die Beerdigung fand nur in kleinem Kreis statt. Diese «Ausgrenzungen» waren für uns schwierig und schmerzten sehr. Das erging wohl vielen Menschen so. Meine Frau arbeitet in einem Seniorenheim. Auch da wurde die Belastung sehr sichtbar. Die Bewohner*innen hatten Ängste, kämpften mit Einsamkeit, es gab auch Coronaopfer. Die Mitarbeitenden mussten in dieser Zeit all dies begleiten, aushalten, übernehmen. Der Lockdown und die Beschränkungen wirkten sich natürlich auch bei mir mit Unsicherheiten und teilweise sozialem Rückzug aus. Gerade auch die Veranstaltungen des Lions Clubs mussten beinahe alle abgesagt werden. Das war nicht schön, und ich bedauerte unsere Präsidentin Concetta Critelli, die so viel Herzblut in ihr Programm gesteckt hatte. Wohl konnten wir uns zum Teil virtuell begegnen, aber das ersetzt den persönlichen Kontakt nicht wirklich. So wurde auch sehr deutlich, wie wichtig die Menschen im nahen Umfeld sind, die einen stützen. Die Natur, schon vorher ein bekannter Begleiter, war in dieser Zeit ein wichtiger Erholungsund Zufluchtsort.

Was bedeutete Corona für deine tägliche Arbeit im Umgang mit den Menschen?
Die Stiftung Zukunft Thurgau begleitet Stellensuchende in den Arbeitsmarkt. So war bzw. bin ich weiterhin als Job-Coach besonders gefordert. Einzelne Branchen, z. B. das Gastgewerbe, sind ja völlig weggebrochen. Kurzarbeit hat hier sicherlich geholfen. Nach einem Peak Ende 2020 / Anfang 2021 gehen die Arbeitslosenzahlen wieder etwas zurück. Die Eingliederungsquote konnte interessanterweise über die ganze Zeit auf einem hohen Niveau gehalten werden und liegt bei über 40%. Wir spüren bei den Arbeitgebern aus verschiedenen Branchen aktuell eine erhöhte Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften. Personen, die sich weiterbilden und in sich investieren, sind im Vorteil. Das ist leider aber nicht für alle möglich. Generell war es in dieser Zeit wichtig, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, hinzuhören, sie ernst zu nehmen und Verständnis für die Situation zu zeigen. Dank Schutzkonzepten konnten wir die meiste Zeit über persönliche Gespräche vereinbaren. Das schätzten beide Seiten sehr. Bild und Ton allein können Emotionen und ein professionelles, vertrauensvolles Gespräch nicht ersetzen.

Kann man dieser Zeit auch etwas Positives abgewinnen?
Ich habe oft gehört, dass einige Leute die «gewonnene Zeit» sehr schätzten, d. h., Veranstaltungen/Sitzungen fielen weg, und so blieb mehr Zeit für sich selbst, die Familie, Hobbys, Bewegung, um die Schweiz besser kennenzulernen usw. Das stimmt wohl. Und auch die Digitalisierung erhielt einen zusätzlichen Boost. Persönlich musste ich einen für 2020 geplanten Pilotworkshop zum Thema «Mindfulness in Organisationen» absagen. Das war wohl schade, aber in diesen Monaten konnte ich den Workshop nochmals überarbeiten und zur «Serienreife » bringen. Dieses Jahr durfte ich diesen nun mit Erfolg bei einem renommierten Arbeitgeber am Bodensee durchführen. Das Thema Achtsamkeit ist gerade dieser Tage wohl noch bedeutungsvoller und präsenter geworden. Um Arbeitskräfte weiterhin gesund, motiviert und effektiv arbeitend in den Organisationen zu halten, lässt sich dieser Workshop sehr gut präventiv einsetzen. Die Zeit ist reif dafür.

Wie sehen die Zukunftsaussichten für die Stiftung Zukunft aus?
Die Herausforderungen im Arbeitsmarkt bleiben hoch, mit und ohne Covid. Wir sind bestrebt, möglichst arbeitsmarktnahe Lösungen anbieten zu können. Unsere Klienten möchten wir inspirieren, bewegen und motivieren, sich dem Markt zu stellen. Dabei wollen wir insbesondere deren Stärken intensivieren. Die Partnerschaft mit den Arbeitgebern ist dabei ebenfalls eine wichtige Brücke, damit Anschlusslösungen gut gelingen. Hier wollen wir selbst weiterhin ein zuverlässiger, moderner und kompetenter Partner bleiben. Und eines ist sicher: Alles ist im Fluss – immer. Die anpassungsfähigen Unternehmen und auch Individuen werden erfolgreich bleiben. Das benötigt stetige Reflektion und auch einen guten Umgang mit Unsicherheit. Wenn wir neugierig und handlungsfähig bleiben im Hinblick, was alles auf uns zukommt, werden wir auch optimistisch in die Zukunft blicken können. Es braucht dafür eine gute Gemeinschaft und Kooperation.

Interview: Tobias Jäger