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«Reiseträume wahr werden lassen und Freiheiten geniessen können!»

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REISEN – INTERVIEW MIT KARIM TWERENBOLD (BADEN-HEITERSBERG) UND HEIRI HEGGLI (LUZERN-PILATUS) Zu verreisen war lange eine Selbstverständlichkeit. Zumindest in den vergangenen 20 Jahren. Was vor der Pandemie noch mit viel Freude, Genuss und Sehnsucht verbunden war, ist heute eine Gratwanderung mit Maske, Impfungen und weitere Einschränkungen. Doch die Zukunft sieht nicht so düster aus … Insbesondere die Reisebranche spürt neues Leben, und die Kundschaft kehrt zurück. Was erfahrene und langjährige Unternehmer der Reisebranche in Zukunft erwarten, vermitteln sie im Interview.

Tobias Jäger: Wie habt ihr und euer Unternehmen die gesamte Pandemie erlebt?
Heiri Heggli: Die Heggli AG wurde in den Bereichen Reisebüro und Carreisen sehr stark von der Pandemie betroffen. Die Reisebüros waren anfangs zunächst Tag und Nacht damit beschäftigt, Kunden zurück in die Schweiz zu holen, Dossiers umzubuchen oder zu stornieren. Die Reisebusse standen von einem Tag auf den anderen alle still (zwölf Fahrzeuge). Dass wir den Kunden jetzt wieder bei der Verwirklichung ihrer Reisepläne helfen können, motiviert uns sehr. Wir stehen bei der Planung und Ausführung beratend und kompetent zur Seite.

Karim Twerenbold: 2020 war sicher eines der schwierigsten Jahre in unserer 126-jährigen Geschichte als Familienunternehmen, mal abgesehen von den beiden Weltkriegen. Unsere Bus- und Flusskreuzfahrtschiff-Flotte stand mehrere Monate komplett still. Das war eine absolute Ausnahmesituation und hinterliess bei uns allen Spuren. Aber sogar in dieser Krise gibt es etwas Gutes zu berichten, denn unsere überaus loyalen Kunden und das starke Engagement und die Verbundenheit unserer Mitarbeitenden gegenüber unserer Firma haben uns über diese schwere Zeit geholfen und uns zusammengeschweisst.

Die Reisegäste sind teilweise komplett verschwunden … Wie habt ihr als Anbieter auf diese Situation reagiert?
Heiri Heggli: Viele unserer Reisegäste haben die gebuchten Reisen 2020 zuerst verschoben und dann ganz annulliert. Dank der Kurzarbeit können wir unseren Mitarbeitenden eine Perspektive bieten. Die Reisebusfahrer können wir alle in unserem Bereich Linienbusse einsetzen. Einige Mitarbeitende haben sich auch Zwischenverdienste in anderen Branchen gesucht. Nebst dem üblichen Reiseangebot haben wir auch neue Produkte lanciert und kreiert.

Karim Twerenbold: Unsere Gäste sind nicht verschwunden, die Menschen konnten ja generell nicht verreisen, also auch nicht mit uns, auch wenn sie noch so gerne gewollt hätten. Wir haben die Möglichkeiten genutzt, die uns zur Verfügung standen, und beispielsweise ein kreatives Schweizprogramm entwickelt, das auf grosses Interesse stiess und sehr gut gebucht war. Trotz Krise und einem eigentlichen Reiseverbot sind wir über alle verfügbaren Kanäle mit unseren geschätzten Kunden in Verbindung geblieben.

Was war der schwierigste Moment in den vergangenen 16 Monaten?
Heiri Heggli: Einerseits war es zu Beginn der Pandemie hart: Es galt, alle Feriengäste, die noch im Ausland waren, zurückzuholen. Andererseits tat es unheimlich weh, zu sehen, wie wir Hunderte Ferienbuchungen annullieren mussten und all diese Ferienträume platzten – vom finanziellen Verlust ganz zu schweigen. Kurzarbeit zu beantragen, war ein weiterer einschneidender Moment für alle. Zum Glück werden wir mit Covidkrediten sowie Härtefallentschädigung gestützt.

Karim Twerenbold: Ein schwieriger Moment war sicher, als wir unsere ausgebuchte Jubiläumsmusikreise mit Exklusivvorstellung in der Mailänder Scala absagen mussten. Das war wirklich schmerzhaft. Schwierig war auch der Moment, als alle 70 Reisebusse hier in Rütihof aufgereiht waren und uns visuell so richtig bewusst gemacht wurde, dass keiner davon fahren darf. Als wir dann im Herbst die Saison frühzeitig beenden und die Festtagsreisen absagen mussten, war das noch einmal besonders hart.

Es ist nicht falsch, vorsichtig in die Zukunft zu schauen. Ist eine solche für euch und zurzeit überhaupt planbar?
Heiri Heggli: Das Zauberwort beim Planen heisst Flexibilität. Die Einreiseund Quarantänebestimmungen wechseln für zahlreiche Länder täglich, und hier ist es wichtig, informiert zu bleiben und die Kunden bestmöglich auf dem Laufenden zu halten. Mit der zunehmenden Öffnung vieler Länder ist das Reisen auch wieder möglich und gibt vor allem geimpften, getesteten und genesenen Personen wieder die Möglichkeit, Reisen zu planen und zu verwirklichen – natürlich mit einem kompetenten Reisebüropartner an der Seite. Da wir mit den Reisebussen sehr viel im Sportsegment unterwegs sind, gibt es auch hier einen Lichtstreifen am Horizont. Die Fussballnationalteams waren schon sehr bald wieder unterwegs (wir sind «official supplier» des SFV).

Karim Twerenbold: Wir sehen den Silberstreifen am Horizont, denn die Impfkampagne schreitet zügig voran, und wir und auch die Kunden sind zuversichtlich, dass eine Reisetätigkeit im zweiten Halbjahr möglich ist. Diese Zuversicht ist gut spürbar bei den Buchungen. Inzwischen sind erste Auslandsreisen in unseren Reisebussen erfolgreich erfolgt und die Excellence-Schiffsflotte nimmt ab Juli wieder Fahrt auf, es geht also voran.

Euer abschliessender Wunsch für die Zukunft?
Heiri Heggli: Ich wünsche mir, dass die Leute das Reisen durch die Pandemie wieder bewusster erleben und nicht einfach zum günstigsten Preis beinahe jedes Wochenende von A nach B jetten. Meine Devise wäre, lieber nur nachhaltiger zu reisen und diese Ferientage dann ganz intensiv zu geniessen und zu erleben. Eine Entschleunigung wird der Reisebranche zum Teil sehr guttun.

Karim Twerenbold: Ich wünsche mir wirklich, dass wir keine solche Krise mehr erleben müssen. Es wäre schön, wenn wir bald zurück in eine normale Realität finden und einfach unsere Kunden wieder mit schönen Reisen glücklich machen können. Wir möchten den Menschen authentische Erlebnisse in fremden Ländern bieten, die man mit Gleichgesinnten erfahren kann und die die Reisen mit uns zu etwas Besonderem, Persönlichem machen.

Wie sieht die Welt am 1. Juli 2022 in euren Augen aus?
Heiri Heggli: Aus der Sicht des Reisens hoffe ich, dass viele nicht verwirklichte Reiseträume stattfinden werden. Mein Wunsch ist auch, dass die Leute das Privileg zu reisen wieder etwas mehr schätzen und wir bald auch wieder ausländische Gäste an Bord unserer Busse begrüssen dürfen.

Karim Twerenbold: Wenn ich so weit in die Zukunft sehen könnte, wäre das wirklich ein hilfreiches Talent. Hoffentlich leben wir am 1. Juli 2022 in einer Welt, in der wir wieder die Freiheiten geniessen können, die vor der Krise für uns zum Alltag gehörten. Dazu gehört vor allem auch die Möglichkeit, zu verreisen, wann wir möchten und wohin wir möchten.

Interview: Tobias Jäger