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Von Hindelbank nach Hollywood und zurück nach Bern

People

INTERVIEW MIT OLIVER BERGER (LC BERN BUBENBERG) – MANAGER UND FILMEMACHER «Zwei Herzen schlagen in meiner Brust» – so drückt es Oliver Berger aus. Als Gründungsmitglied des LC Bern Bubenberg ist er seit 2018 engagierter Lions. Er analysiert und strukturiert als Betriebswirtschafter und strategischer Berater für Non-Profit- Organisationen die Zukunft. Aber als Filmemacher und kreativer Filmproduzent lebt er in der Gegenwart. Der 45-jährige Berner Oberstleutnant verliess einst für seine Leidenschaft eine gute Führungsposition, um in den USA Filme zu drehen.

Régine Pasche: Du bist zurzeit Leiter Branchencenter NPO bei BDO Mittelland. Was sind deine Aufgaben?

Oliver Berger: In dieser Funktion verantworte ich den Bereich, der die Non- Profit-Organisationen strategisch berät und unterstützt. Das ist eine sehr vielseitige und abwechslungsreiche Aufgabe. Das kann eine Kirchgemeinde sein, die eine neue Strategie braucht, ein Verband, dessen Organisation sowie das Zusammenwirken der einzelnen Teilverbände überprüft und angepasst werden muss, oder es kann sich auch um die Überprüfung der Finanzen in einer Stiftung handeln, mit dem Ziel, die Aufwände zu reduzieren und die Erträge zu erhöhen. Es gehören auch Interimseinsätze dazu, also wenn es (de facto) darum geht, für eine gewisse Zeit ein Mitglied der Geschäftsleitung zu ersetzen,um die Organisation wieder auf Kurs zu bringen.

Wie schaffst du es, deine Leidenschaft mit deinem Beruf unter einen Hut zu bringen?

Man muss es von Herzen wollen und mit Leidenschaft tun. Es ist nicht immer einfach, weil die Beratungstätigkeit sehr intensiv und herausfordernd sein kann sowie auch mit einer gewissen Kurzfristigkeit oder Dringlichkeit verbunden ist. Ich arbeite 80% bei BDO, und somit habe ich (theoretisch) einen Tag in der Woche für Filmprojekte reserviert. In der Praxis braucht es Flexibilität auf beiden Seiten und Verständnis, damit es funktioniert. Die Faustregel lautet in etwa so: Unter der Woche bin ich Manager, gegen Ende Woche sowie übers Wochenende und in den Ferien bin ich Filmemacher.

Das alles erfordert viel Geduld und Fleiss …

Film und Fernsehen ist ein hartes Business, da ist es wichtig, dass man einen langen Atem hat und seine Kräfte einteilt. Ein Kurzfilm (Where’s the money…? USA/CH 2018), den ich vor drei Jahren in den Vororten von Los Angeles (USA) gedreht und anschliessend in der Post (Produktion) über ein Jahr bearbeitet habe, war gerade eben im Oktober 2020 am Comedy Film Festival in Portland, Oregon (USA). Eine tolle Anerkennung für den grossen Effort von Cast und Crew, die über die letzten drei Jahre an diesem Projekt mitgearbeitet und ihre Freizeit dafür geopfert haben. Es ist eine Frage der Organisation und der Diszip lin, alles unter einen Hut zu bringen. «Wer nur an Sonntagen wandert, kommt nie ans Ziel», besagt ein chinesisches Sprichwort. Man muss einfach dranbleiben, die Leidenschaft und das Glück haben, spannende Projekte zu realisieren, dann hat man genügend Drive für beide Engagements.

Woher kommt deine Leidenschaft fürs Kino?

So genau weiss ich das gar nicht. Diese Leidenschaft hatte ich schon als Kind und Jugendlicher. Stundenlang habe ich mir früher Spielfilme wie Western, Thriller und Dramen angeschaut. Von den packenden Geschichten, den mitreissenden Kameraeinstellungen und dem genialen Sound, die sich scheinbar subtil zu einem Gesamtwerk zusammenfügen, war ich immer fasziniert. Ich habe früh als Kameramann begonnen und im Jugendverband so manchen Dokumentarfilm über Sommerlager und Ausbildungskurse gemacht. Die positiven Reaktionen haben mich dann angespornt. Dabei habe ich auch mit einer grossen Kameralampe so manches Nacht-Geländespiel gestört, was nicht immer alle so toll fanden. Film ist für mich ein Zusammenwirken von Sehnsüchten und Träumen, von Mensch und Technik, Verstand und Emotion. Ein guter Film ist in der Lage, viele Menschen zu erreichen, sie im Herzen zu berühren oder zum Nachdenken anzuregen, das ist faszinierend.

Hast du jemals daran gedacht, in Hollywood Filme zu drehen?

Dass ich Jahrzehnte später, als ehemaliges Landei, einmal selbst in Hollywood landen und mit der Tochter von Clint Eastwood (ihr Vater gewann 4 Oscars für Regie und bester Film) Kurzfilme drehen, vom Sohn von James Coburn (sein Vater gewann den Oscar als Nebendarsteller) Tipps im Sound (und im Tonkabelaufrollen!) erhalten würde, mit Tom Schulman (Oscar für Drehbuch) oder John Seale (Oscar für Kamera) hinter die Kulissen ihres Films «Dead Poets Society» blicken dürfte, war surreal und hätte ich nie zu träumen gewagt.

Warum Kino in den USA?

Die USA sind das erfolgreichste Filmland und der Benchmark, wenn es darum geht, Geschichten gut zu erzählen und professionelle Filme zu machen. Klar gibt es den Mainstream mit der einfachen Dramaformel und den archetypischen Geschichten. Aber das gibt es seit dem antiken Griechenland. Es gibt entgegen der in Europa weitverbreiteten Meinung nicht nur die Majors (Major- Studios: Warner Brothers, Walt Disney, Paramount und Universal), sondern auch eine sehr erfolgreiche Indie-Szene (Sundance Festival). Amerika ist ein sehr kompetitives Land, das nach wie vor viele Chancen bietet und das Leute, die träumen und es wirklich wollen, auch früher oder später honoriert. Die USA wissen punkto Film, wie es geht, und sind damit kommerziell aber auch kulturell, und künstlerisch sehr erfolgreich und prägend.

Du bist mehrsprachig und kannst dich neben Deutsch auch in Englisch, Französisch, Italienisch und Holländisch ausdrücken. Was ist deine Verbindung zu den Niederlanden?

In der Sekundarschule in Hindelbank, im Dorf, wo ich aufgewachsen bin, mussten wir im Geografieunterricht ein europäisches Land vorstellen und einen Bericht schreiben; da hat es mir den «Ärmel reingenommen». Ich war fasziniert von den Niederlanden, diesem kleinen Land, das im sog. «gouden eeuw» im 17. Jahrhundert noch eine Weltmacht war und New York (ursprünglich Nieuw Amsterdam) gegründet hat. Danach habe ich begonnen – damals noch über Kurzwelle –, holländisches Radio zu hören und später über Satellit holländisches Fernsehen zu schauen. Ich habe bereits als Jugendlicher Holland bereist und Freunde gefunden, die mich Holländisch gelehrt haben. Meine Faszination ist Schritt für Schritt gewachsen, und ich trage sie immer noch in mir. Und – auf Campingplätzen ist diese «Geheimsprache » übrigens immer noch Gold wert!

Seit März 2018 bist du Mitglied des Berner Stadtrats als Vertreter der FDP. Was bedeutet dieses politische Engagement für dich?

Ich war noch in den USA an einem Filmprojekt, als mich der Fraktionschef der FDP kontaktierte, es werde nun ein Platz frei im Stadtrat und ich sei der erste Ersatz und könne nun mein Amt antreten. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagte ich schliesslich zu, kehrte aus den USA zurück, und seither bin im Stadtrat von Bern. Es ist eine Ehre und Bereicherung, im Berner Stadtparlament Einsitz nehmen zu dürfen. Die Liberalen sind in der Minderheit, und es ist in der rot-grün dominierten Stadt Bern nicht immer ganz einfach, Sachpolitik zu betreiben und einen echten Kompromiss zu schliessen. Meine Anliegen für eine ausgewogene Verkehrspolitik, attraktive Bedingungen für die Wirtschaft und einen schlanken und sicheren Staat stossen gerade in Bern nicht nur auf Gegenliebe. Aber wenn ich mich für ein Thema einsetze, dann tue ich das mit Überzeugung, Engagement, Ausdauer und Herzblut.

Du hast bei der Gründung des LC Bern Bubenberg mitgewirkt. Welche Motivation steckte dahinter?

Seit meiner Jugend habe ich mich ehrenamtlich für die Gesellschaft engagiert, fast drei Jahrzehnte im Jugendverband zuerst lokal als Ortsgruppenleiter, später in regionalen Vorständen und am Schluss in der Schweizerischen Verbandsleitung. Wir hatten im Verband damals auch einen «Wise-Men-Club», der ähnlich funktionierte wie ein LC. Diese Zeit habe ich ebenfalls in bester Erinnerung. Ich finde es wichtig, dass man sich in der Gesellschaft engagiert und sich auch längerfristig für etwas Übergeordnetes einbringt, anderen Menschen hilft, gemeinsam vorwärtsgeht und sich gegenseitig unterstützt. Es war für mich darum eine grosse Ehre, als mich PCC Patrizio Bühlmann an einem Infoanlass im Sommer 2018 motivierte, dem noch zu gründenden LC Bubenberg beizutreten.

Interview: Régine Pasche

Fotos: Oliver Berger

Oliver Berger – manager et cinéaste!

«Deux coeurs battent dans ma poitrine» confie Oliver Berger. Le Lion bernois est à la fois un manager qui analyse et structure, mais aussi un cinéaste et producteur de film créatif, vivant l’instant présent. Il a ainsi oeuvré à Hollywood pour assouvir sa passion du cinéma. Membre du LC Bern Bubenberg depuis sa fondation en 2018, le lieutenant-colonel bernois de 45 ans a ainsi quitté il y a quelques années un bon poste de direction pour aller tourner des films aux Etats-Unis et oeuvrer aux côtés de spécialistes du 7e art. (R.Pa.)